kretafans
Navigation
Besucherzähler
Shoutbox
reisebeschreibungen (nicht Ed)
reisebeschreibungen › berichte, erzählungen, erlebnisse
Anreise
Stockfinstere Nacht auf wildem Meer! Begleitet von einem Sturmorchester spielt Poseidons zügellose Herde mit unserer Nußschale Fangball. Die Seekrankheit macht die vierzehn Stunden überfahrt von Piräus aus zu einer Ewigkeit. Fast plötzlich wird´s still und wird´s herrlich. Wir sind im Windschutz langgezogener Gebirge. Erdfarben und schattendüster entsteigen sie der Tiefe wie Fabelgestade. Nur ein beschneiter rundlicher Gipfel hebt sich ab, um den die Sonne mit jagenden Wolkenmassen kämpft. K r e t a !
(Franz Kuypers: Griechenland. München 1935, S. 158)
Iraklio (1935 noch Candia genannt bzw. Herákleion)
Der von den Sarazenen gegründete Ort ist, vom Meer aus gesehen, eine europäische Handelsstadt geworden, im Innern ein Gemisch von Orient und Okzident geblieben. Ungepflasterte gerade Straßen, bloße Fortsetzungen der Landwege. Im Schnittpunkt auf einem Fußbrett der Verkehrsschutzmann. Omnibusse, mit Menschen und Schafen im selbigen Lattengehäuse, rumpeln durch die wie ein Schüttelbild sich verschiebende Menge: Eseltreiber und Maultierkarren, Strauchräubergesichter unter härener Kapuze, Pfahlbürger in Fustanellaröckchen, Trikotbeinkleidern, genagelten Pantoffeln mit faustdicker Quaste auf ihrem langgespitzten Schnabel, gestriegelte griechische Offiziere und spießig würdige, langgewandete Popen, denen aus dem hohen Barett das Zöpfchen hervorguckt, wie es griechische Freiheitshelden trugen, Bubiköpfe und schicke Kleidchen neben derben Landröcken. So wechselt es vorbei an den die Häuserreihen begleitenden Basaren.
(Franz Kuypers: Griechenland. München 1935, S. 159)
060330-

