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KUNST - kreta und die kunst
kreta + kunst › alte kunst, neue kunst, kunstgeschichtliches etc.
Kunst ist Magie, befreit von der Lüge, Wahrheit zu sein (Adorno)
"Der Geist von Matala" Foto: © Jens DietherAuf Kreta gibt es noch Unbekanntes zu entdecken, wie zum Beispiel dieses Kunstwerk.
Jens Diether hat es fotografiert und die Aufnahme dankenswerterweise zur Verfügung
gestellt. In den Bergen über Matala schaut dieser Kopf auf die Weite des Lybischen
Meeres. Es war sicher nicht nur eine Laune der Natur, die dieses Werk entstehen ließ.
Noch wissen wir nicht, zu welcher Zeit das Antlitz geformt wurde. Ist es eine alte
Skulptur? Gibt es eine Verbindung zur ägyptischen Kunst? Oder ist es ein Werk, das aus
den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts stammt, als die Hippies Matala entdeckt hat-
ten und einige Zeit dort lebten? Der Kopf könnte das Antlitz eines nordamerikanischen
Indianers sein. Es könnte auch der Kopf eines Azteken sein. Wahrscheinlich ist das Werk
sogar erst in der jüngsten Zeit entstanden. Der Künstler oder die KünstlerInnen bleiben
anonym. Bei vielen Werken aus der Frühzeit der Kunst ist das auch so. Künstlerpersön-
lichkeiten aus dieser Zeit, die bedeutende Werke geschaffen haben, bleiben uns in der
Regel ebenfalls unbekannt.
ägyptisches Relief
Zwischen den Mittelmeerinseln und den asiatischen bzw. afrikanischen Ländern gibt es
seit alters her einen Austausch. So bestand auch in der Frühgeschichte eine intensive
Verbindung zwischen Kreta und Ägypten. Das alte Kreta war eine Drehscheibe zwischen
Orient und Okzident. Ägyptische Einflüsse sind auf Kreta festgestellt worden. Später
kamen die Einflüsse von italienischer (venezianischer) und türkischer Kultur und Lebens-
weise hinzu. Diese Einflüsse sind bis heute in der Kunst und Architektur erkennbar.Die Insel Kreta, die legendäre Heimat des Minotaurus – daher auch der Name minoische Kultur -
wurde ursprünglich von Einwanderern aus Kleinasien kolonisiert, die eine neolithische Kultur be-
saßen. Schon sehr früh machten sich jedoch ägyptische Einflüsse in den zentralen und südlichen
Gebieten bemerkbar. Die frühminoische Kultur entstand im östlichen Kreta unter dem Einfluß
einer neueren Einwanderungsbewegung aus Kleinasien.
(Grahame Clark: Frühgeschichte der Menschheit, 1964)
Minoische KunstEine zierliche, nur 28,5 Zentimeter hohe Fayence-Statuette einer Frauengestalt in
ist eine von ihnen – ein Idol, in
krinolineähnlichem Gewand mit stark eingeschnürter Taille und prunkvoll präsentierten
Brüsten – nur das Gesicht selbst und der linke Unterarm sind ergänzt – ist eine der drei
Tonfiguren, die unter dem Portikus im Westen des knossischen Palasthofes in unterirdischen
Steinkisten begraben lagen und nach Fundort und Aufbewahrung die geheiligtesten Stücke
des Tempelschatzes dargestellt haben müssen. Man hat in ihnen drei Inkarnationen der mi-
noischen Muttergottheit erkannt ... Im Priesterkönigreich der Minoer hat die mutterrecht-
liche Orientierung die Peilkraft einer Kompaßnadel, und die Bevorzugung des Weiblichen und
der weiblichen Optik ist das Grundcharakteristikum sämtlicher Freskenfragmente. Alt-Kreta
war ein Matriarchat; Frauen, Blumen, Mode, weiblicher Liebreiz und festliches Schauge-
präge agieren auf der schönheitlich durchstilisierten Bühne der Kunst und des Kultes ...
Die kleine Schlangengöttin von Knossos
dem Naturmagie, Erotik, Charme und frauliches Weistum eine bestürzende Synthese gefun-
den haben. Das Zwillingsgebilde der Brust, die aus der Verschnürung des Mieders in betonter
Entblößung heraustritt, die Pantherkatze über der Blumenkrone und die beiden zuckenden Rep-
tile im Griff der weit voneinander geklafterten Hände sind ihre drei symbolträchtigen, ganz und
gar bronzezeitlichen Attribute; erst ihre Einkleidung in den siebenfach gestuften Glockenrock,
über den von oben ein halblanges Schürzchen fällt, den Metallreif des Gürtels, das hautenge
Mieder und die Blumenkrone setzt jene modisch-frivolen Akzente hinzu, die über 3600 Jahre
hinweg noch den zeitgenössischen Betrachter zu elektrisieren vermögen.
(Konrad Helbig in: Helbig/Schneiders: Archipelagus. Die Inselwelt der Ägäis. 1962, S. 181)
Original im Archäologischen Museum (Iraklio)
Knossos
nach Marinatos:
Weiblicher Kopf, sogenannte Pariserin. Bruch-
stück eines Freskos im Prunksaal des Westflügels von Knossos. Spätminoisch um 1500/1450 vor Christus
Leider sind uns nur wenige größere Reste der minoischen Malereien erhalten geblieben ...
Großartig ist das Fragment eines Stieres an der Wand der Westhalle beim Nordeingang in Knossos.
Modellierung und gespannte Kraft des im Schmerz brüllenden Tieres lassen uns die Bedeutung des
verlorenen Kunstwerkes erahnen.
(Spyridon Marinatos: Kreta und das mykenische Hellas, 1959)(Robin Bryans: Kreta, 1980)
"Eine Wanderung durch das Museum in Iraklion ist ...... ein Fest
für die Augen, ein Schwelgen der Empfindungen."


ägyptisches Relief
Original im Archäologischen Museum (Iraklio)
Weiblicher Kopf, sogenannte Pariserin. Bruch-
