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kreta texte nach 1960

kreta texte nach 1960     › zeitgenössische autoren, moderne literatur

 

»Mit Kreta ergeht es einem, wie mit manchen Menschen, mit denen man nie auf Du steht, weil sie stets
Abstand halten; die man erforscht, zu verstehen sucht, von der Lektüre ihres Gesichtes her zu
kennen glaubt, die aber unergründlich bleiben, weil sie ihre Seele nicht zu Markte tragen.
Dennoch gibt es Augenblicke der Nähe und des Angenommenseins.«

(Thomas David/Susanna Worm: Kreta,19842)


 

»Drei Völker gaben in drei Sprachen der Insel ihren Namen:

Kirid      die Türken,

Candia    die Italiener und

Krete     die Griechen.

Diese langgestreckte Insel, deren Form an einen Brotlaib erinnert,
wurde durch Jahrtausende von Menschen


geliebt,

begehrt,

besetzt,

geknechtet,

ausgebeutet

und wieder geliebt

und wieder geschändet.«

                                                  (Ruth Seering: Inseln im Mittelmeer, 1991)

 

Kreta ist die erste Brücke zwischen Europa. Asien und Afrika. Hier
erfüllte die Seele Griechenlands ihre schicksalsbestimmte Aufgabe:
Sie brachte Gott auf die Stufe des Menschen
.

                                 
(Nikos Kazantzakis, Rechenschaft vor El Greco 1964 ff.)

 

Kreta ist meine zweite Heimat geworden. Ich liebe diese Insel und die
freiheitsliebende Bevölkerung, liebe die Landschaft und ihre einmalige
Kulturgeschichte, die die Minoer bereits in ihrer mehr als tausendjäh-
rigen Friedens- und Kulturgeschichte beispiellos verwirklichten, und
die sich auf ihrem Weg über die Geschichte der Griechen, Römer, Byzan-
tiner bis in unser Abendland hinein fortsetze
.


                                       (Karl-Erich Wilken. Impressionen über das klassische Kreta, 1978)


Es gibt eine Art Flamme auf Kreta, wir können sie Seele nennen; etwas
Stärkeres als Leben und Tod; es gibt den Stolz, den Trotz, die Tapferkeit
und mit ihnen etwas anderes, Unfaßbares, das dich stolz und gleichzeitig
bange macht, ein Mensch zu sein.

                                                                        (Nikos Kazantzakis: Rechenschaft vor El Greco I. 1964)



Zeus (ins seinen Memoiren):

  Ich liebe Kreta und habe ihm Dankbarkeit bewahrt. Sein goldbrauner
  Boden, mit einem Filz rötlicher Gräser bedeckt und lange Monate der
  Hitze ausgesetzt, hat die Farben des Bauches einer schönen, rothaa-
  rigen, in der Sonne hingestreckten Frau.

                                                    (Maurice Druon: Die Memoiren des Herrn Zeus, 1969)

 


Nirgendwo wird sonst so augenfällig wie auf Kreta, daß der Begriff Geschichte wortwörtlich
zu nehmen ist - als geschichtetes Geschehen, besser noch: als geschichtete Zeit. Lage um
Lage läßt sich hier die Vergangenheit abheben. Jeder Stein redet, jeder Spaziergang entführt
den Wanderer auf eine inwendige Reise zu verlorenen Zeiten, jeder Blick auf die sonnenver-
sengten Berghänge eröffnet verborgene Panoramen aus fünfzig Jahrhunderten: Bilder von
Agonie, von Schönheit und Schrecken, Glanz und Elend.

Vergangenheit überall, man stolpert buchstäblich über sie.
                                         
                                        
(Theo Sommer, ehem. Chefredakteur der ZEIT, im Merian-Heft Kreta, 1990)

 

 

041121-060330.

 

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