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Der Diskos von Phaistos
einer der bedeutendsten Funde der Technikgeschichte ...
»Am 3. Juli 1908 machten Archäologen bei Ausgrabungsarbeiten in der minoischen
Ruinenstätte von Phaistos auf Kreta einen der bedeutendsten Funde der Technik-
geschichte. ... Es handelte sich um eine kleine, flache, runde unbemalte Tonschei-
be mit einem Durchmesser von etwas mehr als 16 cm. ...Seit dem Tag ihrer Ausgrabung gibt die Scheibe Schriftforschern Rätsel auf. Die Zahl
unterschiedlicher Zeichen (45) läßt auf eine Silbenschrift und nicht auf ein Alphabet
schließen. Ihre Entzifferung gelang bisher jedoch nicht, und die Formen der Zeichen
weisen keinerlei Ähnlichkeit mit denen irgendeines anderen bekannten Schriftsystems
auf. ...Für Historiker, die sich mit Technikgeschichte befassen, wirft die Scheibe von Phaistos
ein noch größeres Rätsel auf. Das geschätzte Datum ihrer Entstehung (um 1700 v. Chr.)
macht sie mit Abstand zum ältesten Zeugnis der Druckkunst. Statt von Hand, wie bei
allen Texten der späteren Linear-A und Linear-B-Schriften, waren die Zeichen auf der
Scheibe mit Hilfe von Stempeln in weichen, anschließend durch Brennen gehärteten
Ton geprägt worden. ...Die Scheibe von Phaistos war so etwas wie ein Vorbote der nächsten Druckversuche
der Menscheit ... Diese Versuche sollten jedoch erst 2500 Jahre später in China und
3100 Jahre später im mittelalterlichen Europa erfolgen.«
(Jared Diamond: Arm und Reich. Die Schicksale menschlicher Gesellschaften. 1998)
Dieser Text, dessen Formeln sich wiederholen, ist allem Anschein
nach eine religiöse Hymne.
(Paul Faure: Kreta. Das Leben im Reich des Minos. 1976)
Wie eine Sphinx hütet der Diskus sein fast 3500 Jahre altes Geheimnis
und wartet auf die große Theseusstunde, in der er die Entschlüsselung
der rätselhaften Diskusbeschriftung preisgeben wird. Der verstorbene
griechische Chefarchäologe Prof. Marinatos war der Ansicht, daß die
Minoer diese Hieroglypheninschrift bereits um 2600 v. Chr. bei der
Einwanderung aus ihrer karischen Heimat mitgebracht haben. ...
Ich nehme an, daß der Diskus nicht minoisch ist, sondern ein Diploma-
tengeschenk des Hethiterkönigs Mursalis I. (1620-1590 v. Chr.).
(Karl-Erich Wilken: Impressionen über das klassische Kreta, 1978)
»Die Scheibe scheint jedoch nicht als Siegel gedient zu haben, denn sie
stellt selbst eine Art von Urkunde dar. Wie auch immer, für ein Wachssiegel
hat sie die falsche Farbe. Sie sieht aus, als sei sie aus Sahnekaramelle
– eine Karamelle in unregelmäßiger runder Form. ...
Ich hoffe, daß niemand je die Wahrheit herausbekommen wird. Es ist eine
so hübsche Scheibe und ganz besonders reizvoll wegen ihres Geheimnisses.«
(Robin Bryans: Kreta, 1980)
http://home.t-online.de/home/bernd.schomburg/
http://de.wikipedia.org/wiki/Diskos_von_Phaistos
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